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2. EM-Lauf 1993 in Schlüchtern - Wer B sagt, muss auch A sagen
In der Division der Tourenwagen sind die Karten komplett neu gemischt. Die Grup-pe B-Boliden vom Schlage eines Lancia Delta S4 oder Peugeot 205 T16 sind mittlerweile ins Museum gewandert und dafür hielt die Gruppe A ihren Einzug.
Allen voran Vize-Europameister Rolf Vol-land aus Roth. Mit dem nagelneuen und blitzsauber aufgebauten Audi Quattro S2 steht Rolf Volland ein unheimlich poten-tes Fahrzeug zur Verfügung. Das kleine fränkische Team hat mit technischer Un-terstützung von Alfons Hohenester die-ses Auto komplett selbst aufgebaut. Von Werksunterstützung keine Spur. Die Worte von Siegfried Volland, Vater und Teamchef in Personalunion, sprechen hierbei Bände: "Wir haben zirka 800 Stunden am Audi geschraubt. Nochmal mach´ ich das nicht mit." Unter der Be-werbung des langjährigen Sponsors Linn High Therm ging der junge Sportsoldat der Fördergruppe Neubiberg ins Rennen. Nach massiven technischen Problemen im samstäglichen Training, "Es ist ir-gendetwas am Lader. Die Abgastempe-ratur ist im Keller", fand sich Volland im ersten Vorlauf in der dritten und damit letzten Startreihe wieder. Der Bayer, der seinen "Fünfzylinder" beim Start mit stackatoähnlichen Gasstößen malträtiert, war aber bereits in der ersten Kurve am Platz an der Sonne. Der folgende Sieg war somit eine reine Formsache. "Wenn mir so´n Start im Finale gelingt, na dann...", sinnierte Volland.
Auch Lokalheld Hans Mandel bezauberte das trotz miesem Wetter reichlich ver-sammelte Publikum mit bravourösen Vorläufen. Sein Subaru lief wie ein Schweizer Uhrwerk, und die optimale Streckenkenntnis tat ihr übriges. We-sentlich grausamer erwischte es einen anderen "Eingeborenen". Hans Kirchhof, seines Zeichens mehrfacher Deutscher Rallye-Cross-Meister, erlebte ein wahres Desaster. In einer mittelschnellen Links-kurve  untersteuerte der brandneue Ford



Audi Quattro S2 im Gruppe A Feld - das Maß der Dinge



Shooting-Star Berthold Schnee
Escort Cosworth der-art, daß ein mehrfa-cher Überschlag nicht zu vermeiden war. Sichtlich geschockt, komentierte Kirch-hof, "Es ging alles so schnell. Ich hatte keine Zeit zu reagie-ren."
Ruhiger ging es da im Team von Rolf Volland zu. "Die nasse Piste liegt mir mehr, als das trockene Zeittraining. Viel-leicht sollte man für das Finale einen Regentanz durchführen", scherzte der bestens aufgelegte Bayer. Anstelle di-verser Voodoo-Rituale beschränkte sich Volland im letzten Vorlauf auf Reifentest und ließ Hans Mandel den Vortritt. Da-durch erbte der Subaru-Pilot einen Platz in der ersten Startreihe.
Keine Regen- sondern Freudentänze veranstaltete die Truppe rund um Bert-hold Schnee. Der blutjunge Golf-Fahrer heizte den Etablierten derart ein, daß selbst gestandene Größen ihm Tribut zollten. "Den Wilden hab´ ich im Endlauf lieber hinter mir.", raportierte Europa-meister Rolf Volland. Nicht so erfreut über diese Unverfrorenheit der golfen-den Jugend, war der Schweizer Walter Schmid. Der Eidgenosse vermochte es nicht, mit seinem bärenstarken Ford Sierra den knallgelben Golf auf Distanz zu halten. Nur dank direkter Fahrt auf der Kampflinie konnte Schmid Schlim-meres verhindern.
Das mit Spannung erwartete Finale ließ dann auch keine Wünsche offen. Volland katapultierte sich mit einem Traumstart an die Spitze und gab diese bis zur Ziel-flagge nicht mehr ab. Hinter dem wun-derschönen Audi war derweil der Teufel los. Hans Mandel wehrte mit Händen und Füßen die Attacken von Anatoli Krivobo-kov (GUS) erfolgreich bis ins Ziel ab. Berthold Schnee fuhr unterdessen das Rennen seines Lebens. Dies war jedoch nicht schwierig, da der Kfz-Schlosser erst sein zweites Autorennen überhaupt be-stritt. Nachdem er seinen "Busenfreund" Schmid und Tabellenführer Makarov (GUS) hinter sich gelassen hatte, ging er ohne jeglichen Respekt daran, den Fran-zosen Marc Morize aufzuarbeiten. Hierbei wurden Leitplanken, Reifenstapel und di-verse Erdwälle in die Ideallinie einbezo-gen. Dieses Unternehmen sollte zwar scheitern, aber dennoch freute sich Schnee im Ziel. "Ich bin einfach nur happy!"
Ein weiterer glücklicher Pilot war Rolf Vol-land. Mit seinem Erfolg zog er mit Maka-rov an der Tabellenspitze gleich und hat somit eine ideale Ausgangsposition für die kommenden Rennen. Freudestrah-lend erklärte Volland den technischen Kommisaren im Parc Ferme, daß er in seinem Auto einen Motor installiert und Räder angebracht hat. Die Offiziellen fanden im Reglement keinen Punkt der dies verbietet und somit war der Sieg rechtens. Aber als Hauptgrund für seine Überlegenheit deklarierte Volland: "Mei-ne Freundin ist mit ihrer Gardetanzgrup-pe angereist, du weißt schon..."



Im Finale nur knapp am Sieg vorbei - Robert Behr

Ein Tip für die Zukunft: laß die Mädel als Cheer-Leader antraben. Da haben wir nämlich alle was davon.
In der Division der Spezial-Cross-Fahr-zeuge, von einigen boshaft "Kaninchen-ställe" genannt, ging´s ähnlich hart zur Sache. Der deutsche Hoffnungsträger Robert Behr (Neuburg/Donau) mußte mit einem nicht optimalen Startplatz vorlieb nehmen. Grund hierfür war ein brutaler Leitschienenkontakt im Vorlauf. Dennoch mischte Behr sofort an der Spitze mit. Dank eines super-starken Audi-Motors im Rücken keimte bereits erste Hoff-nung, ehe ein kurioser Ausfall alles zu-nichte machte. Eine gebrochene Len-kungswelle ließ den armen Robby Behr geradewegs ins Aus rodeln. Quasi als Entschuldigung streckte Behr das losge-rissene Steuer aus dem Fenster. Trotz-dem gilt der Bayer als Mann der Zukunft.
Sieger wurde ein überglücklicher Luis Ribeiro aus Portugal. Tief gerührt gab Ribeiro im Ziel ein Interview, auf portu-giesisch wohlgemerkt, seine Landsleute waren aus dem Häuschen, ich verstand kein Wort.
Um Rang zwei fighteten Jean-Paul Vin-cendeau (F) und der Österreicher Herbert Rammel. Der Franzose behielt hierbei das bessere Ende für sich und wurde Zweiter. Vierter wurde Lokalmatador Os-win Büchl. Mit seinem 1600er Spitznagel-VW-Buggy geigte er der stärkeren Kon-kurrenz gewaltig um die Ohren.
Einfach Sport vom Feinsten. Auto-Cross ist im Kommen, die Zuschauerzahlen beweisen es.



Oswin Büchl im 1600-er im Feld der dicken Brummer vorne mit dabei

Text: Thomas Paul
Bilder: Thomas Langer



Hinweis
Der Text ist 1:1 aus der Zeitschrift "MotorSportLife" von 1993 entnommen. Urheber des Textes ist der Autor Thomas Paul bzw. die Zeitschrift. Fotos: Thomas Langer
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